Glorias Hochzeitsdiadem: True Crime – Die Tiara, die verschwand

Glorias Hochzeitsdiadem – das Perlen- und Diamantdiadem der Kaiserin Eugénie

Glorias Hochzeitsdiadem:
True Crime - Die Tiara, die verschwand

Als Gloria Gräfin von Schönburg-Glauchau am 31. Mai 1980 Johannes Fürst von Thurn und Taxis heiratete, trug sie nicht einfach irgendein Familiendiadem. Auf ihrem gelockten Haar funkelte eines der bedeutendsten Schmuckstücke des französischen Zweiten Kaiserreichs: das mit Perlen und Diamanten besetzte Diadem der Kaiserin Eugénie.

Das Hochzeitsjuwel verband an diesem Tag gleich drei Welten miteinander: den Glanz des französischen Kaiserhofes, die jahrhundertealte Geschichte des Hauses Thurn und Taxis und den extravaganten Auftritt einer jungen Frau, die wenig später als „Punk-Prinzessin“ weltberühmt werden sollte.

Heute besitzt die Geschichte noch eine dramatische Wendung: Im Oktober 2025 wurde das Diadem aus dem Louvre geraubt. Bis heute ist es nicht wieder aufgetaucht.

Eine kaiserliche Brautgabe für Eugénie

Das Diadem wurde 1853 in Paris von dem französischen Kronjuwelier Alexandre-Gabriel Lemonnier geschaffen. Auftraggeber war Kaiser Napoleon III., der am 29. Januar 1853 die spanische Aristokratin Eugénie de Montijo geheiratet hatte.

Das Schmuckstück gehörte zu einer für die neue Kaiserin angefertigten Garnitur aus Diadem und Schulterbrosche. Die dafür verwendeten Diamanten und Perlen stammten aus dem französischen Staatsschatz. Das Diadem war damit streng genommen nicht Eugénies persönliches Eigentum, sondern ein Bestandteil der französischen Kronjuwelen.

Nach den Angaben des Louvre ist es:

  • 19 Zentimeter breit,

  • 18,5 Zentimeter tief,

  • 7 Zentimeter hoch,

  • aus Silber gearbeitet und auf der Rückseite mit Goldfolie unterlegt,

  • mit Naturperlen und Diamanten besetzt.

In Veröffentlichungen werden gewöhnlich 212 Naturperlen und 1.998 Diamanten genannt. 

Perlen, Diamanten und kaiserliche Symbolik

Das Diadem besteht aus sieben aufragenden Elementen, auf denen jeweils drei große Perlen übereinander angeordnet sind. Dazwischen befinden sich acht schildähnliche Kartuschen, die von diamantbesetzten Blättern umrahmt werden.

Die Kartuschen sind mit weiteren Perlen und Diamantblättern gefüllt. Über ihnen erheben sich tropfenförmige Perlen, die von funkelndem Blattwerk begleitet werden. Getragen wird die gesamte Konstruktion von einem breiten Band aus runden Perlen und Diamantornamenten.

Trotz seines reichen Steinbesatzes wirkt das Diadem erstaunlich harmonisch. Die weißen Perlen nehmen den Diamanten etwas von ihrer Strenge und verleihen dem Schmuckstück eine ausgesprochen feminine, fast romantische Erscheinung. Gleichzeitig sorgen die hohen Perlenspitzen dafür, dass es auch aus größerer Entfernung eine eindrucksvolle Silhouette bildet.

Das Design entsprach vollkommen dem Geschmack Kaiserin Eugénies. Sie bewunderte die französische Königin Marie-Antoinette und förderte einen historisierenden Stil, der die Eleganz des 18. Jahrhunderts mit der technischen Brillanz der Juwelierskunst des 19. Jahrhunderts verband.

Kein Diadem Marie-Antoinettes

Rund um Glorias Hochzeit wurde das Schmuckstück gelegentlich als „Krone Marie-Antoinettes“ bezeichnet. Auch Gloria selbst erinnerte sich später daran, dass sie bei ihrer Hochzeit eine angebliche Diamantkrone Marie-Antoinettes getragen habe.

Diese Zuordnung ist jedoch falsch.

Marie-Antoinette starb 1793 – das Diadem entstand erst 60 Jahre später für Kaiserin Eugénie. Möglicherweise entstand die Verwechslung, weil Eugénie die letzte französische Königin leidenschaftlich verehrte und sich bei Kleidung, Frisuren und Schmuck immer wieder an deren Epoche orientierte.

Das Diadem ist also kein Schmuckstück Marie-Antoinettes. Es ist ein authentisches Juwel der französischen Kaiserin Eugénie und des Zweiten Kaiserreichs.

Ebay für Fortgeschrittene

Nach dem Sturz Napoleons III. im Jahr 1870 ging Eugénie mit ihrer Familie ins englische Exil. Das Diadem blieb als Teil des Staatsschatzes in Frankreich.

Die 1870 gegründete Dritte Republik stand den Symbolen der Monarchie und des Kaiserreichs ausgesprochen kritisch gegenüber. Die französischen Kronjuwelen galten vielen Republikanern als mögliche Insignien einer späteren Restauration. Deshalb beschloss man schließlich, einen großen Teil der Sammlung zu verkaufen.

Am 12. und 13. Mai 1887 wurden die französischen Kronjuwelen in Paris versteigert. Das Perlen- und Diamantdiadem wurde vom Juwelier Julius Jacoby erworben. Damit begann seine Reise von Paris nach Regensburg.

Ein Hochzeitsgeschenk für das Haus Thurn und Taxis

1890 kaufte Albert I., der spätere 8. Fürst von Thurn und Taxis, das Diadem. Er heiratete in diesem Jahr Erzherzogin Margarethe Klementine von Österreich, eine Tochter Erzherzog Joseph Karls und Prinzessin Clotildes von Sachsen-Coburg und Gotha.

Das ehemalige französische Kronjuwel wurde damit zum Hochzeitsgeschenk für eine Habsburger Erzherzogin und ging in die berühmte Juwelensammlung des Hauses Thurn und Taxis über.

Margarethe Klementine trug das Diadem unter anderem 1950 bei ihrer diamantenen Hochzeit. Sechzig Jahre nach seinem Erwerb erinnerte das Juwel damit erneut an die Verbindung zwischen Albert und Margarethe.

Fast ein Jahrhundert lang blieb das Diadem im Besitz der Familie.

Glorias große Hochzeit in Regensburg

Am 31. Mai 1980 heiratete die erst 20-jährige Gloria Gräfin von Schönburg-Glauchau den 34 Jahre älteren Johannes Fürst von Thurn und Taxis. Die kirchliche Trauung fand in der ehemaligen Benediktinerabteikirche St. Emmeram in Regensburg statt.

Gloria trug ein aufwendig gearbeitetes Couture-Brautkleid von Valentino. Dazu wählte die Familie das Perlen- und Diamantdiadem der Kaiserin Eugénie.

Die Kombination war alles andere als zurückhaltend. Das Kleid besaß voluminöse Ärmel, üppige Rüschen und eine ausgesprochen romantische Silhouette. Der lange Schleier und das historische Diadem vollendeten einen Brautlook, der bereits den Hang zur Inszenierung erkennen ließ, für den Gloria in den folgenden Jahren berühmt werden sollte.

Das Diadem saß auf ihrem lockigen Haar und hob sich dort besonders wirkungsvoll ab. Die hellen Perlen waren deutlich sichtbar, während die Diamanten das Licht einfingen. Auf Fotografien erscheint das Schmuckstück nicht wie ein dezentes Brautaccessoire, sondern wie ein bewusstes dynastisches Zeichen.

Gloria heiratete schließlich nicht nur einen sehr vermögenden Mann. Mit der Trauung trat sie in eines der bedeutendsten deutschen Fürstenhäuser ein. Das ehemalige Kaiserinnendiadem vermittelte diesen Rang auf den ersten Blick.

Am Vorabend der Hochzeit hatte Gloria übrigens ein anderes großes Familienjuwel getragen: die monumentale Saphirtiara des Hauses Thurn und Taxis. Bei der kirchlichen Trauung selbst war es jedoch eindeutig das Perlen- und Diamantdiadem Eugénies. 

Warum Gloria die Familienjuwelen verkaufen ließ

Johannes Fürst von Thurn und Taxis starb 1990. Gloria stand danach vor der schwierigen Aufgabe, das umfangreiche Vermögen und die Unternehmen der Familie für ihren damals noch minderjährigen Sohn Albert zu sichern.

Der Besitz war gewaltig, verursachte aber zugleich enorme laufende Kosten. Gloria entschied sich deshalb für einen harten Konsolidierungskurs. Kunstwerke, Fahrzeuge, Möbel und Schmuckstücke wurden verkauft.

Zu den veräußerten Juwelen gehörte auch ihr Hochzeitsdiadem.

Am 17. November 1992 kam es bei Sotheby’s in Genf im Rahmen der Versteigerung der Sammlung Thurn und Taxis unter den Hammer. Die Société des Amis du Louvre – die Gesellschaft der Freunde des Louvre – erwarb das Diadem für rund 935.000 D-Mark und schenkte es anschließend dem französischen Staat.

Gloria soll ihren pragmatischen Umgang mit den zahlreichen Diademen sinngemäß damit begründet haben, dass sie nicht oft Kronen trage und deshalb auch nicht so viele davon aufbewahren müsse.

Für das Kunstwerk war der Verkauf zunächst ein Glücksfall: Es kehrte nach mehr als hundert Jahren in den französischen Staatsschatz zurück. Ende 1992 wurde es offiziell in die Sammlung des Louvre aufgenommen.

Die Rückkehr in den Louvre

Im Louvre wurde das Diadem in der prächtigen Galerie d’Apollon gezeigt. Dort befanden sich die erhaltenen beziehungsweise zurückerworbenen französischen Kronjuwelen, darunter der berühmte Regent-Diamant und Schmuckstücke verschiedener französischer Königinnen und Kaiserinnen.

Aus dem privaten Hochzeitsdiadem der Familie Thurn und Taxis war wieder ein öffentlich zugängliches Kulturgut geworden. Millionen Besucher konnten das Juwel betrachten, das einst Kaiserin Eugénie und später Gloria von Thurn und Taxis geschmückt hatte.

Das Museum verlieh es 2002 außerdem an das Victoria and Albert Museum in London für die Ausstellung „Tiaras“ und 2016 an das Musée d’Orsay für die große Ausstellung über das Zweite Kaiserreich.

Der spektakuläre Raub von 2025

Am Morgen des 19. Oktober 2025 drangen Täter während der Öffnungszeit in die Galerie d’Apollon ein. Innerhalb weniger Minuten entwendeten sie acht historische Schmuckstücke aus den französischen Sammlungen.

Über den Balkon rechts im Bild drangen die Diebe in die Apollon-Galerie ein.

Unter den geraubten Objekten befand sich auch Glorias Hochzeitsdiadem.

Die ebenfalls angegriffene Krone Kaiserin Eugénies wurde bei der Flucht fallen gelassen und beschädigt vor dem Museum gefunden. Das Perlen- und Diamantdiadem hingegen blieb verschwunden.

Hier die Krone der Kaiserin, die danach zerdrückt in einer Seitenstraße gefunden wurde.

Glorias Tochter Elisabeth von Thurn und Taxis bezeichnete den Verlust als Tragödie. Sie erinnerte daran, dass Lemonnier das Diadem für Eugénie geschaffen hatte, dass es später in die Familie Thurn und Taxis gelangte und von ihrer Mutter bei der Hochzeit getragen worden war. Gerade der Verkauf an den Louvre sollte ermöglichen, dass das Schmuckstück wieder Teil der französischen Sammlung wurde und von einem großen Publikum bewundert werden konnte.

Nach dem derzeitigen Stand vom Juli 2026 wurde das Diadem noch nicht wiedergefunden. Die Galerie d’Apollon wurde am 22. Juli 2026 zwar wieder eröffnet, die geraubten Juwelen sind jedoch weiterhin verschollen. 
Man hat zwar Verdächtige festgenommen und Spuren nach Belgien und Osteuropa gefunden, aber ...

Von diamantenen Entführungsopfern...

Die besondere Bekanntheit des Juwels ist Fluch und Hoffnung zugleich.

In seiner ursprünglichen Form lässt es sich praktisch nicht verkaufen. Es ist hervorragend dokumentiert, weltweit bekannt und an seiner ungewöhnlichen Anordnung aus großen Naturperlen und Diamantkartuschen sofort zu erkennen.

Die größte Gefahr besteht deshalb darin, dass die Täter das Diadem zerlegen. Diamanten könnten neu geschliffen und einzeln verkauft werden. Bei den Perlen ist dies schwieriger: Es handelt sich um große Naturperlen aus einer Zeit lange vor der kommerziellen Zuchtperle. Ihre Zusammenstellung und ihre historische Dokumentation machen sie für Fachleute auffällig.

Ermittler und Kunstexperten geben die Hoffnung daher nicht auf. Berühmte gestohlene Kunstwerke sind mitunter erst nach Jahren oder Jahrzehnten wieder aufgetaucht.

Immerhin wäre auch möglich, dass für die Stücke Lösegeld gefordert wird. Es wäre nicht das erste Mal, dass Diebe so etwas versuchen und auch erfolgreich sind. Zumeist wird dann hinterher mitgeteilt, man habe die Stücke bei einer Hausdurchsuchung gefunden. Über den gezahlten Betrag hält man Stillschweigen, denn man will natürlich keine Nachahmer züchten.

Mehr als Glorias Hochzeitskrone

Das Perlen- und Diamantdiadem von dem ich heute berichte, ist aber weit mehr als ein glamouröses Accessoire von Glorias Hochzeit. Seine Geschichte erzählt von politischen Umbrüchen, dynastischen Verbindungen und einem grundlegend veränderten Umgang mit fürstlichem Besitz.

Es wurde für eine französische Kaiserin geschaffen, von einer republikanischen Regierung verkauft, für eine österreichische Erzherzogin erworben und schließlich von einer jungen deutschen Fürstin bei einer der spektakulärsten Adelshochzeiten der Nachkriegszeit getragen.

Gloria ließ das Juwel später versteigern, um die wirtschaftliche Zukunft ihres Hauses zu sichern. Die Freunde des Louvre brachten es dorthin zurück, wo es seiner historischen Bedeutung nach hingehörte: in eine öffentliche französische Sammlung.

Gerade deshalb ist der Raub so bitter. Gestohlen wurde nicht einfach ein wertvolles Schmuckstück. Verloren ging vorerst ein außergewöhnliches Zeugnis europäischer Geschichte.

Das Diadem steht für zwei berühmte Frauen, die auf sehr unterschiedliche Weise mit Glanz, öffentlicher Aufmerksamkeit und dem Ende einer Epoche verbunden waren: Kaiserin Eugénie, die letzte Kaiserin der Franzosen, und Gloria von Thurn und Taxis, die extravagante Braut, die später gezwungen war, das märchenhafte Erbe ihres Hauses in eine wirtschaftlich tragfähige Zukunft zu führen.