Das Alhambra- Motiv von Van Cleef& Arpels

Das Alhambra- Motiv von Van Cleef& Arpels

Alhambra von Van Cleef & Arpels: Das vierblättrige Kleeblatt der Royals

Kaum ein Schmuckmotiv ist so leicht zu erkennen wie das Alhambra-Design von Van Cleef & Arpels. Vier sanft gerundete Blätter, eingefasst von einem feinen Perlenrand aus Gold, bilden ein stilisiertes Kleeblatt. Seit seiner Vorstellung im Jahr 1968 hat sich das Motiv zu einem Klassiker entwickelt – und zu einem Lieblingsschmuck von Fürstin Gracia Patricia, Königin Camilla und Catherine, der Princess of Wales.

Doch weshalb übt dieses vergleichsweise schlichte Design eine solche Faszination aus?

Ein Glücksbringer aus dem Jahr 1968


flagship Store des Juweliers an der Place Vendôme in Paris

Die Geschichte des Pariser Schmuckhauses Van Cleef & Arpels begann bereits 1906 an der Place Vendôme. Das Alhambra-Motiv kam jedoch erst in einer Zeit des gesellschaftlichen und modischen Aufbruchs hinzu.

DEe Krone von Kaiserin Farah Diba, ebenfalls von Van Cleef & Arpels entworfen und gefertigt

1968 präsentierte die Maison das erste Alhambra-Sautoir: eine lange Kette aus Gelbgold mit 20 vierblättrigen Motiven. Die Oberfläche des Goldes war strukturiert, jedes Kleeblatt von einem charakteristischen Rand aus kleinen Goldperlen umgeben. Die Kette ließ sich lang, doppelt gelegt oder gemeinsam mit anderen Schmuckstücken tragen.

Das Motiv war von einem vierblättrigen Kleeblatt inspiriert. Jacques Arpels, ein Neffe der Gründer Alfred Van Cleef und Estelle Arpels, hatte eine besondere Beziehung zu Glückssymbolen. Ihm wird der Ausspruch zugeschrieben:

„Um Glück zu haben, muss man an das Glück glauben.“

Der Name der Kollektion verweist wiederum auf die Alhambra in Granada.

Die Alhambra (Copyright: gemeinfrei)

Die maurische Architektur des Palastkomplexes ist reich an geometrischen Ornamenten und vierteiligen Formen. Im Schmuckstück verbinden sich deshalb zwei Gedanken: das vertraute Kleeblatt als Glücksbringer und die elegante Symmetrie orientalischer Ornamentik. 

Gemälde "A Court in the Alhambra at the Time of the Moors", Edwin Lord Weeks, 1876

Luxus, der nicht nur für den Abend bestimmt war

In den 1960er-Jahren begann sich der Umgang mit kostbarem Schmuck zu verändern. Frauen wollten ihre Juwelen nicht mehr ausschließlich zu Galadiners und großen Abendroben tragen. Schmuck sollte modischer, vielseitiger und im Alltag einsetzbar sein.

Genau dafür eignete sich Alhambra. Die langen Ketten waren kostbar, wirkten aber weniger formell als Diamantcolliers. Sie konnten zu einem eleganten Kleid, einem Hosenanzug oder sogar zu Pullover und Bluse kombiniert werden.

Darin lag eine kleine Revolution: Alhambra war echter Luxusschmuck, vermittelte aber zugleich Leichtigkeit, Optimismus und persönliche Freiheit.

Fürstin Gracia Patricia machte Alhambra royal

Zu den prominentesten frühen Trägerinnen gehörte Fürstin Gracia Patricia von Monaco. Ihre Beziehung zu Van Cleef & Arpels begann sogar schon vor ihrer Hochzeit mit Fürst Rainier III.

Rainier schenkte seiner Braut 1956 ein kostbares Ensemble aus Perlen und Diamanten. Wenige Monate nach der Hochzeit wurde Van Cleef & Arpels zum offiziellen Hoflieferanten des Fürstentums Monaco ernannt. Im Laufe der Jahre erwarb die Fürstin weitere Schmuckstücke der Maison – darunter mehrere lange Alhambra-Ketten.

Gracia Patricia trug Alhambra nicht wie ein unantastbares Hofjuwel. Sie kombinierte die langen Ketten mit vergleichsweise unkomplizierter Tageskleidung und legte gelegentlich mehrere Exemplare übereinander. Fotografien zeigen sie beispielsweise mit langen Alhambra-Ketten zu hochgeschlossenen Oberteilen oder schlichten Kleidern.

Gerade diese ungezwungene Art des Tragens war wegweisend. Die Fürstin bewies, dass kostbarer Schmuck weder steif noch einschüchternd wirken musste. Luxus durfte persönlich sein und Freude bereiten.

Ihr werden Alhambra-Ketten in unterschiedlichen Materialien und Farbtönen zugeschrieben, darunter Malachit und weitere farbige Schmucksteine. Sicher belegt ist durch die Maison, dass sie mehrere Alhambra-Sautoirs besaß. Nicht jede im Internet verbreitete Materialzuordnung lässt sich allerdings anhand öffentlich zugänglicher Archivunterlagen zweifelsfrei bestätigen.

Gracia Patricia war damit nicht nur eine berühmte Kundin. Sie prägte entscheidend das Bild, das wir bis heute mit Alhambra verbinden: sonnige Eleganz, mediterrane Farben und ein Luxus, der eher selbstverständlich statt demonstrativ wirkt.

Königin Camilla: Alhambra als täglicher Begleiter

Auch Königin Camilla besitzt eine beachtliche Sammlung von Schmuckstücken aus dem Hause Van Cleef & Arpels. Zu ihren bekanntesten Stücken gehört ein Vintage-Alhambra-Armband aus Gelbgold mit fünf Motiven aus blauem Achat.

Camilla trägt dieses Armband auffallend häufig – bei offiziellen Besuchen ebenso wie bei weniger formellen Terminen. Meist kombiniert sie es mit mehreren schmalen goldenen Armbändern. Dadurch erhält das kostbare Stück beinahe den Charakter eines persönlichen Talismans.

Ob das blaue Armband für die Königin eine besondere private Bedeutung besitzt, ist nicht bekannt. Der Achat wird häufig mit Ausgeglichenheit, Zuversicht und innerer Stärke in Verbindung gebracht. Vor allem aber passt das intensive Blau hervorragend zu Camillas Garderobe, in der Blau zu den am häufigsten getragenen Farben zählt.

Ihre Sammlung beschränkt sich nicht auf dieses Armband. Camilla wurde außerdem mit Magic-Alhambra-Ohrhängern mit Diamanten sowie mit einer Kombination aus Kette und Ohrringen aus grünem Malachit gesehen. 

Während Gracia Patricia die langen Alhambra-Ketten zum Symbol der mondänen 1970er-Jahre machte, zeigt Camilla, wie gut sich das Design als vertrauter Alltagsschmuck einer Königin eignet.

Catherine und das weiße Perlmutt

Catherine, Princess of Wales, bevorzugt eine besonders helle und elegante Variante: ein Set aus der 2006 eingeführten Magic-Alhambra-Kollektion. Es besteht aus einer asymmetrischen Kette mit sechs unterschiedlich großen Motiven und den dazugehörigen zweigliedrigen Ohrhängern. Die Kleeblätter sind aus weißem Perlmutt gefertigt und in Gelbgold gefasst.

Erstmals größere Aufmerksamkeit erregte das Ensemble bei der BAFTA-Verleihung 2020. Catherine kombinierte es damals mit einer weiß-goldenen Abendrobe von Alexander McQueen. Später trug sie die Ohrhänger unter anderem während ihrer Karibikreise 2022 und beim Krönungskonzert für König Charles III. und Königin Camilla im Jahr 2023.

Im Juli 2026 wählte sie die Perlmutt-Ohrhänger erneut für das Herrenfinale von Wimbledon. Zu ihrem grünen Kleid von Emilia Wickstead wirkten sie festlich, aber nicht überladen. 

Catherines Magic-Alhambra-Schmuck besitzt eine andere Wirkung als die streng gereihten Vintage-Ketten. Durch die verschieden großen Motive entsteht Bewegung. Das Perlmutt reflektiert das Licht, ohne mit der Kleidung oder anderem Schmuck konkurrieren zu wollen. Damit entspricht das Ensemble genau Catherines häufig beobachtetem Schmuckstil: feminin, hochwertig und auffällig genug für die Kameras, aber niemals schwer.

Vintage, Magic oder Sweet: Die Alhambra-Familie

Aus dem ursprünglichen Motiv von 1968 sind im Laufe der Jahrzehnte mehrere Linien entstanden:

  • Vintage Alhambra orientiert sich besonders eng am klassischen Motiv. Ketten und Armbänder bestehen häufig aus gleich großen Kleeblättern.

  • Magic Alhambra kombiniert seit 2006 unterschiedlich große Motive in bewusst asymmetrischen Kompositionen.

  • Sweet Alhambra verwendet kleinere, besonders zarte Kleeblätter.

  • Lucky Alhambra ergänzt das klassische Motiv durch Herzen, Blätter, Schmetterlinge und andere Glückssymbole.

  • Pure Alhambra interpretiert die Form mit klareren, glatteren Konturen.

Verarbeitet werden neben Gelb-, Weiß- und Roségold unter anderem weißes und graues Perlmutt, Onyx, Malachit, Karneol, Achat, Tigerauge und Diamanten. Da es sich um Naturmaterialien handelt, besitzt jedes Schmuckstück leichte Unterschiede in Farbe und Zeichnung.

Gerade das macht den Reiz der Kollektion aus. Ein schwarzer Onyx wirkt streng und grafisch, Malachit lebhaft und extravagant, weißes Perlmutt zurückhaltend und feminin. Dasselbe Grundmotiv kann dadurch vollkommen unterschiedliche Persönlichkeiten annehmen.

Weshalb lieben Royals gerade dieses Design?

Alhambra löst ein Problem, das sich bei royalen Auftritten häufig stellt. Der Schmuck muss auf Fotografien erkennbar sein, darf bei einem Tagesauftritt aber nicht so prunkvoll wirken, als handele es sich um ein Staatsbankett.

Das vierblättrige Motiv ist deutlich sichtbar und besitzt einen hohen Wiedererkennungswert. Gleichzeitig bleibt es freundlich und unpolitisch. Es steht für Glück, Hoffnung und Zuversicht – Botschaften, die sich nahezu für jeden öffentlichen Anlass eignen.

Hinzu kommt seine Wandelbarkeit. Gracia Patricia konnte lange farbige Ketten übereinanderlegen, Camilla trägt ein einzelnes Armband als täglichen Begleiter und Catherine nutzt ihre Perlmutt-Ohrhänger als eleganten Blickfang. Alle drei tragen dasselbe Grundmotiv, verleihen ihm aber eine vollkommen eigene Wirkung.

Ein moderner Klassiker mit royaler Geschichte

Das Alhambra-Design ist weit mehr als ein kurzlebiges Statussymbol. Es verbindet die Aufbruchsstimmung der späten 1960er-Jahre mit traditioneller Goldschmiedekunst und der uralten Hoffnung auf Glück.

Fürstin Gracia Patricia machte das Motiv zu einem Sinnbild lässiger, mediterraner Eleganz. Königin Camilla verwandelte ihr blaues Achatarmband in einen beinahe ständigen Begleiter. Catherine zeigt mit ihrem Perlmutt-Ensemble, dass Alhambra auch mehr als ein halbes Jahrhundert nach seiner Entstehung modern und festlich wirken kann.

Vielleicht liegt darin das eigentliche Erfolgsgeheimnis: Alhambra ist kostbar, ohne distanziert zu sein. Es ist sofort erkennbar, ohne die Trägerin zu beherrschen. Und wer möchte nicht ein wenig Glück bei sich tragen?